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Montag, 16. Januar 2023

Im Gefolge des ersten Pilgers


Reisegeschichten sind die ältesten Geschichten der Welt. Homers Odyssee oder die Aeneis des Vergil, aber auch die Legenden um den Apostel Jakobus und seine Ankunft in Galicien gehören dazu. Reisende, Händler und Vaganten, sowie die Heimkehrer, die lange fort gewesen sind, und viel Wunderbares gesehen haben, erzählen sie den Daheimgebliebenen. An den Abenden, im Schein der Kerzen oder des Feuers, dass vor dem Haus lodert, wenn die Arbeit getan ist und die Sonne versinkt. Wenn sich die Menschen versammeln, um miteinander zu reden, beginnen die Schatten auf der Leinwand des Erzählers zu tanzen. Die Geschichten erwachen zum Leben, wecken Sehnsucht und appellieren an die Fantasie der Zuhörer. Der Erzähler bringt Erinnerungen ins Leben zurück. Du wirst nie erfahren, ob es ein guter Weg ist, wenn du ihn nicht selbst gegangen bist!

Sonntag, 15. Januar 2023

Am Scheideweg


Jede Pilgerfahrt findet zwischen zwei biographischen Polen statt: eine Zeit des Aufbruchs und eine Zeit der Rückkehr. Dazwischen, in einer unbestimmten Zwischenwelt, ist der Pilger sich selbst und anderen ein Fremder, ein Peregrinus. Dort wo er ist, ist er ein Ausländer, einer, der weit weg von zu Hause ist, einer Welt gegenübersteht, der jegliche Vertrautheit fehlt. Unterwegs wird mir die Vergänglichkeit meines Lebens am deutlichsten bewusst. Während ich weiter gehe, verändert sich ständig alles um mich herum. Nichts bleibt, nichts kann ich festhalten, wie es in den Phasen der Sesshaftigkeit zu sein scheint, in denen man hofft, das Erreichte habe Bestand. Wir müssen zuerst vergessen, damit wir in der Erinnerung wieder erleben können, was an uns vorbei gegangen ist. Wir verstehen unser Leben immer erst im Nachhinein. Auf jeder Wanderung gibt es etwas zu erleben, jede Landschaft erzählt Geschichten. Reisen ist eine Bewegung im Raum, Erinnerung ist eine Bewegung in der Zeit, die uns unser Leben schließlich bewusster macht.